Streitheim, erneutes Opfer der Verkehrsplanung?

Streitheim, ein kleines schwäbisches Dorf an der A8 zwischen Adelsried und Zusmarshausen muss sich erneut darauf vorbereiten, gegen die überregionalen Verkehrsbelastungen, die auf den Ort
zukommen, zu wehren.
Anlass ist die geplante Umgehungstrasse von Adelsried, die nicht wie es üblich ist, in angemessenem Abstand zum Ortsrand bzw. den betroffenen benachbarten Orten herum geführt werden soll, sondern weiträumig entfernt mit nur 180m Abstand zum Ortsrand Streitheim.
Wie im Rahmen einer Bürgerversammlung in Streitheim am 18. April 2008 durch die Ver-kehrsplanungsbehörde zu erfahren war, wurden in der Vergangenheit (seit rund 40 Jahren) die sinnvollen Trassen z.B. im Osten Adelsrieds durch Wohnbebauung blockiert. Die heute noch möglichen Trassenführungen stellen sich wie folgt dar:
Variante 1:
Westlich um Adelsried herum in normalen Abstand zur Bebauung
wie anderen Orts auch üblichdie kürzeste und mit Abstand preiswerteste Variante.
Weitere Umfahrungen der Orte Kruichen und Ehgatten auf dem Wege nach
Welden könnten ortsnah gefunden werden, wurden aber bislang nicht untersucht.
Variante 2:
Vom Süden Adelsrieds bis kurz vor Streitheim und dann nach Norden entlang der Nordseite des Waldes Richtung Kruichen, inkl. Umfahrung auch von Kruichen
Variante 3: Vom Süden Adelsrieds entlang der A8 direkt an Streitheim entlang nach Norden abbiegend Richtung Ehgatten, inkl. Umfahrung von Kruichen und Ehgatten
Die Vorüberlegungen seitens der Gemeinde Adelsried führten beim staatlichen Straßenbauamt zur Vorplanung der von Anfang an bevorzugten Variante 3. Die gesetzlich vorgeschriebenen Alternativplanungen mussten erst von der Interessengemeinschaft A8 Streitheim und dem Markt Zusmarshausen bei einer Sitzung im Adelsrieder Rathaus am 3.April 2007 eingefordert werden.
Bereits durch die Autobahn A8 wird der Ort Streitheim hoch belastet, dies wurde bereits ausdrücklich während der A8 Erweiterungsplanungen festgestellt. Nun soll die Streitheimer Bevölkerung weiter durch zusätzlichen Verkehr in unmittelbarer Nähe belastet werden (Variante 3).
Zu den ca. 1500 Fahrzeugen innerorts kommen rund 60000 (steigend) der A8 und nun geplante weitere rund 6000 Fahrzeuge auf der Umgehungstrasse.
Die Variante 3 ist bautechnisch die mit Abstand teuerste Variante, zugleich ist jedoch Adelsried aller Sorgen entledigt, die Gemeinden Streitheim, Zusmarshausen und Horgau werden jedoch ungleich belastet.
Seien es z.B.
die Lasten aus den zu erwartenden Straßenunterhalts- und Straßenerhaltungskosten
aufgrund von gesetzlich vorgeschriebenen Herabstufungen der Straßen zwischen Streitheim und Auerbach / Horgau.
oder seien es
die tatsächlichen und zusätzlichen Belastungen aus Verkehrsschadstoffen und -lärm
oder seien es
die endgültige Zerstörung des Naherholungsgebietes nördlich von Streitheim, etc.
oder seien es
die Zerschneidung wertvoller landwirtschaftlicher Flächen
oder seien es
die Gefahren die von kreuzendem landwirtschaftlichem Verkehr ausgehen
und die Liste ließe sich fortsetzen….…
Aufgrund der verständlichen Empörung der Streitheimer fand am Donnerstag, den 29.5.2008 im Schützenheim in Streitheim auf Initiative der „Alten“ Interessensgemeinschaft A8 Streitheim eine Streitheim-interne Bürgerversammlung statt, zur sachlichen Information der Streitheimer und zur ersten Analyse des Widerstandspotentials.
Gerade Letzteres ist außergewöhnlich groß, in erster Linie weil erneut Streitheimer Bürger einer einseitigen und willkürlichen Planung einer staatlichen Behörde wie es scheint ohnmächtig und fassungslos gegenüber stehen.
Zu dieser äußerst sachlich und engagiert verlaufenen Veranstaltung wurden auch Parteienvertreter der im Markt vertretenen Parteien geladen; Hr. Rechtsanwalt Bernhard Hannemann (FW), Hr. Rechtsanwalt, Dr. Florian Sommer (CSU) und Hr. Stefan Vogg, (SPD/Aktives Bürgerforum), so dass auch hier Ausgewogenheit bestand und für eine breite Unterstützung geworben werden konnte.
Dieser Bürgerversammlung zufolge wird sich jetzt eine neue Interessensgemeinschaft Streitheim bilden, sich demokratisch legitimieren, um dann zunächst zu versuchen, vor dem Planfeststellungsverfahren, zusammen mit dem staatlichen Straßenbauamt und mit der Gemeinde Adelsried / Horgau und Zusmarshausen eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung zu finden, damit ein Planfeststellungsverfahren auch einvernehmlich gut und reibungslos verlaufen kann.
Dies durchaus mit dem ausdrücklichen Ziel, welches Hr. Georg Winter, CSU, MdL bereits im Rahmen der A8 und PWC Planungen, formulierte:
Straßen müssen vom Bürger, wo immer mit gutem Willen möglich, als sinnvolle Verbindung und nicht als aufgebürdete Belastung verstanden und akzeptiert werden!
Bürgerinitiative Streitheim